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Warum ich KI nutze, aber nicht mit ihr ins Bett gehe

Ich nutze KI intensiv im Alltag – als Werkzeug, nicht als Ersatz. Ein persönlicher Einblick in 60 Stunden Arbeit, Entscheidungen, Feinschliff und die Frage, wo KI wirklich hilft – und wo nicht.

Ich nutze KI intensiv im Alltag – als Werkzeug, nicht als Ersatz. Ein persönlicher Einblick in 60 Stunden Arbeit, Entscheidungen, Feinschliff und die Frage, wo KI wirklich hilft – und wo nicht.
Format Labor-Beitrag vom 04.04.2026 von Rainer Wittmann
Bereich Labor / Laborprotokolle
Inhalt

Der Moment, in dem man merkt: Da passiert gerade etwas

Es gibt diesen Punkt. Irgendwann nachts. Der Kaffee ist längst kalt, die Augen brennen ein bisschen, und trotzdem läuft es. Code entsteht. Strukturen greifen ineinander. Ideen, die vorher nur lose im Kopf waren, werden plötzlich konkret. Und irgendwo dazwischen sitzt eine KI. Nicht als Ersatz. Nicht als Chef. Sondern als Werkzeug. Ein ziemlich gutes sogar.

Ich habe in den vergangenen Tagen über 60 Stunden in meine neue Seite gesteckt. Nicht nebenbei. Nicht halbherzig. Sondern richtig. Basis-Layout. CSS-Struktur. Breadcrumb-System. Erweiterungen, weil WordPress für mich nur eine Basis ist, auf der ich aufbaue. Inhalte schreiben. Feinschliff. SEO. Schema-Struktur. Alles. Und ja – die KI war die ganze Zeit dabei. Aber sie war nie diejenige, die entschieden hat.

Ein Werkzeug, kein Orakel

Ich nutze KI intensiv. Täglich. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass sie mir nicht massiv hilft. Aber ich behandle sie nicht wie eine Wahrheit. Sondern wie Rohmaterial. Was sie liefert, ist schnell. Oft beeindruckend. Manchmal erstaunlich gut. Aber es ist nie fertig. Der entscheidende Unterschied entsteht erst danach. Manchmal ist die KI aber auch nur dumm, weil sie selbst nicht versteht, was sie vor ein paar Minuten gemacht hat. Sie kann sich Dinge merken, sie kann aber nicht vorausschauend denken - noch nicht. Sie tut das, was du ihr sagst. Mal mehr, mal weniger.

Geschwindigkeit ist nicht gleich Qualität

Die eigentliche Stärke der KI liegt nicht darin, perfekte Lösungen zu liefern. Sondern darin, extrem schnell brauchbare Ansätze zu erzeugen. Was früher Stunden gedauert hat, passiert heute in Minuten. CSS-Strukturen, JavaScript-Logiken, PHP-Funktionen. Alles ist sofort da. Aber: Schnell heißt nicht gut. Und schon gar nicht: fertig.

60 Stunden Realität

Wenn ich auf diese über 60 Stunden zurückblicke, die ich für diese neue activebizz 3.0-Webseite unter rainer-wittmann.de gebraucht habe, dann war das kein „KI hat mir eine Website gebaut“-Moment.

Ganz im Gegenteil.

Das war:

  • Basis-Layout entwickeln
  • visuelle Linie festziehen
  • eigene CSS-Systematik aufbauen
  • Breadcrumb sauber lösen
  • Addons und Speziallogiken ergänzen
  • Dinge erfinden, die es so nur selten zu sehen gibt (Es soll ja auch einen Aha-Effekt geben, oder zwei, oder drei)
  • Seiten aufbauen
  • Inhalte schreiben (selbst, bewusst, mit eigener Handschrift)
  • testen, verwerfen, neu denken
  • auf unterschiedlichen Endgeräten testen (Safari ist immer sehr störrisch)
  • IPhone-Nutzer nerven, damit sie mal die Seite Beta-Testen (ich habe kein IPhone, nur zwei größere Apfel-Geräte)
  • online gehen
  • Beta testen
  • nachschärfen
  • nochmal testen
  • SEO strukturieren
  • 301er für bisherige Seiten einrichten
  • mit Google kommunizieren
  • und eine saubere schema.org-Logik entwickeln
  • und vielleicht noch viele Dinge, die die Liste nur unnötig aufblähen würden

Fakt ist:

Die KI war dabei. Aber sie hat nicht entschieden, was richtig ist.

Schema ist ein gutes Beispiel

Gerade beim Thema Struktur merkt man das besonders. Schema.org ist kein „Plugin an und fertig“-Thema. Wenn man es ernst nimmt, wird es schnell komplex. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, es sauber aufzubauen. Nicht einfach reinzukippen, sondern wirklich zu verstehen, wie die Dinge zusammenhängen.

Das Ergebnis ist nicht nur technisch besser. Es ist auch logisch sauber.

Und genau das ist der Unterschied zwischen:
„funktioniert irgendwie“
und
„hat Substanz“

Der Moment, in dem der Mensch wichtig wird

Die KI kann viel.

Die KI kann:

  • Logik bauen
  • Muster erkennen
  • Fehler vermeiden

Aber sie weiß nicht, wie sich etwas anfühlt.

Die KI merkt nicht:

  • dass ein Klick nervt
  • dass ein Ablauf holpert
  • dass etwas „unruhig“ wirkt

Und: Die KI weiß nicht, was das, was sie gerade gecodet hat, für Auswirkungen hat. Eine KI denkt in festen Strukturen, die ihr beigebracht worden sind, oder ihr angeeignet wurden - ich schreibe das bewusst im Passiv. Wenn ich sage: Mach mir Pong, weiß sie: Ok. Pong, Konsolenspiel, 80er Jahre. Zwei Striche, ein Ball. Reaktion, Punkte vergeben. Spiel gewinnen - oder verlieren. Die KI testet dich, ob sie mit dem, was sie macht, richtig liegt. Und betreibt sehr gerne Upselling, wenn sie bestätigt wurde, dass sie mit ihrer Einschätzung richtig lag.

Das ist der Punkt, an dem ich ins Spiel komme.

  • Ich konzipiere.
  • Ich gebe vor.
  • Ich teste.
  • Ich debugge.
  • Ich code die Fehler raus.
  • Ich klicke.
  • Ich fluche.
  • Ich ändere nochmal.

Und genau da entsteht Qualität.

Kleine Details entscheiden alles

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Audio-Player, der beim Wechsel der Sprache automatisch stoppt. Technisch gesehen eine Kleinigkeit. Eine Zeile Logik. Aber in der Nutzung ein riesiger Unterschied.

Ohne das:
Chaos. Mehrere Sounds gleichzeitig. Stress.

Mit das:
Ruhe. Kontrolle. Klarheit.

Das ist kein Code-Problem. Das ist ein Erfahrungs-Thema. Das ist das langjährige Wissen darüber, wie etwas funktionieren muss, damit es nicht nur funktioniert, sondern eben FUNKTioniert.

Die gefährliche Seite der KI

Und genau hier wird es kritisch. Wer KI einfach übernimmt, ohne zu verstehen, was da passiert, bekommt Probleme.

Typische Folgen:

  • unnötig komplexer Code
  • Performance-Probleme
  • unsaubere Strukturen
  • schlechte UX

Oder noch schlimmer:

Dinge, die funktionieren – aber sich falsch anfühlen. KI kann sehr überzeugend sein. Auch dann, wenn sie danebenliegt. Deshalb gilt für mich: Ich übernehme nichts ungeprüft. Ich lese mir den Code von vorne bis hinten durch und korrigiere.

Die neue Arbeitsweise

Was hier entsteht, ist eigentlich etwas Neues.

Die KI ist kein Ersatz für Entwickler.
Sie ist ein Beschleuniger.

Eine Art extrem schneller Junior, der nie müde wird, keine Pause braucht und sofort liefert.

Aber: Jemand muss entscheiden, was davon bleibt. Das macht dann der Senior. Und das bin ich. Jahrgang 1972. Ja man darf schon von Senior sprechen - auch alterstechnisch.

Zusammenarbeit statt Abhängigkeit

Am Ende ist es ein Zusammenspiel: Die KI bringt Tempo. Ich bringe Gefühl. Die KI liefert Möglichkeiten. Ich treffe Entscheidungen. Die KI baut Vorschläge. Ich mache daraus Lösungen. Und genau in dieser Kombination entsteht Qualität.

Fazit

Ich nutze KI. Sehr bewusst. Aber ich verlasse mich nicht auf sie. Ich arbeite mit ihr. Sie ist ein Werkzeug. Ein verdammt gutes sogar.

Aber KI ersetzt nicht das, was am Ende zählt: Erfahrung. Intuition. Und das Gespür dafür, wann etwas wirklich fertig ist.

Oder anders gesagt: Ich nutze die KI gern. Aber ich behalte die Kontrolle. Und genau das ist vielleicht der entscheidende Unterschied.

Ein kleiner Sidekick zu Bildern und Realität

Und ja, an der Stelle noch ein Gedanke, der vielleicht nicht jedem gefällt.

Wenn ich sehe, was teilweise für einfache Stockbilder oder schnelle Produktionen aufgerufen wird, dann frage ich mich schon, ob wir da nicht manchmal ein bisschen die Bodenhaftung verlieren.

Jeder macht seine Arbeit und muss sein Geld verdienen. Ich bin selbst Fotograf, ich weiß, was gutes Equipment kostet, wie viel Zeit in Vorbereitung, Licht, Perspektive und Nachbearbeitung steckt. Das ist alles absolut berechtigt.

Aber genau hier verändert sich gerade etwas. Viele Motive – gerade im Bereich Stimmung, Symbolik oder abstrakte Szenen – kann eine KI heute problemlos erzeugen. Schnell, flexibel und für einen Bruchteil der Kosten. Das ersetzt keine echte Fotografie. Und es soll sie auch nicht ersetzen. Aber es verschiebt die Grenze.

Und vielleicht sorgt genau das dafür, dass wir wieder klarer unterscheiden: Was braucht wirklich einen niemals obsolet werdenden, professionellen Fotografen – und was ist am Ende einfach nur ein schnelles Bild.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit.
Ende Laborprotokoll.

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